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Über die Angst
(erstveröffentlichung in einem forum)
ängste der verschiedensten art begleiten einen jungenliebenden durch
sein leben:
1. die angst vor der staatsgewalt:
als es das internet noch nicht gab, als wir noch verloren zuhause sassen
und unseren fantasien nachhingen, kannten wir diese angst vor den grünen
männchen noch nicht in dem ausmasse wie heute. die angst vor der
polizei, vor hausdurchsuchung, verhaftung, prozess und gefängnis,
war gekoppelt mit dem physischen ausleben der liebe, also mit sex mit
jungen. fand der nicht statt, war die gefahr, mit der polizei in konflikt
zu geraten, nicht besonders gross...ausser man bestellte einschlägige
heftchen bei dubiosen versandhändlern, die regelmässig hochgingen
und blöd genug waren, ihre kundenkartei nicht verschlüsselt
zu haben.
heute genügt es, sich im netz zu tummeln, seine IP-adresse überall
zu hinterlassen, sich unbedacht im chat zu verraten, etc... die möglichkeit,
bei regelmässigen usern eines chats oder boards oder bei den besuchern
einer einschlägigen page, die real life adresse herauszufinden, sind
heutzutage wohl nicht mehr so klein. dazu kommt, dass die eigene telefonnummer,
e-mail-adresse, snail-mail-adresse bei einigen bekannten zu finden wäre;
und woher wissen wir, dass diese bekannten nicht irgendwann mist bauen,
hochgehen, und wir mit ihnen? die polizei ist scharf auf schlagzeilen:
*kinderschänderring ausgehoben*, und ob das nun der wahrheit entspricht,
interessiert keinen..weder die polizei noch die medien. was sich verkauft
ist gut, lautet der wahlspruch der schönen neuen medienwelt.
die angst vor der staatsgewalt ist berechtigt; komme mir ja niemand mit
paranoia! so friedlich wies momentan ist, so schnell kann sich das
ändern.
2. die angst vor gesellschaftlicher blossstellung:
es ist trotz aller selbstsicherheit, trotz allem selbstbewusstsein, immer
noch nicht leicht, und sicher nicht jedermanns sache, als outsider in
dieser gesellschaft zu leben. warum verstecken sich so viele jungenliebende
immer noch gegen aussen, auch wenn sie gar keine strafbaren handlungen
begehen? die angst vor dem nachbarn, der einen scheel anschaut, ist vorhanden
und berechtigt. der mensch ist ein herdentier, und sich für ein einzelgängertum
zu entscheiden, ist niemals leicht. und so lassen wir es geschehen, wenn
der nachbar abschätzig über die jungen redet, die einen besuchen
kommen (wie eben vor 5 minuten bei mir geschehen). wir haben angst vor
der frage: warum hast du denn so junge freunde? jedes eingeständnis
der eigenen vorlieben setzt uns in den augen uns fremder menschen gleich
mal ein paar stufen tiefer in der sozialen leiter. und davor haben wir
angst; kein wunder! ich habe im konkreten fall nicht angst davor, was
der nachbar von mir denkt, aber ich habe angst davor, dass er sich bei
der hausverwaltung beschwert, weil jungs nun mal krach machen. angst davor,
den minderbemittelten mitarbeitern der hausverwaltung dann rede und antwort
stehen zu müssen. angst vor der erniedrigung, angst vor dem perv-dasein.
vielleicht eine unberechtigte angst, aber sie zu überwinden, hiesse,
unsere anerzogene kultur in teilen zu überwinden, und das ist verdammt
schwer und ein langer weg.
3. angst vor konsequenzen im beruf:
wer auf seinen beruf angewiesen ist, um sich zu ernähren, und das
sind ja wohl die meisten von uns, der hat logischerweise angst vor den
reaktionen des chefs/der chefin, wenn es herauskommt. bisher
waren meine erfahrungen immer positiv, aber das garantiert nicht, dass
es nächstes mal auch noch so ist. der jeweils gerade aktuelle chef
interessiert sich nicht die bohne für die reaktionen seiner vorgänger;
die diskriminierung bis hin zum rauswurf aus welchen erfundenen gründen
auch immer (restrukturierung eignet sich dafür hervorragend), sind
abhängig vom subjektiven ermessen des vorgesetzten. und das macht
nun wirklich angst, berechtigte angst.
4. angst vor blossstellung bei jungen:
wann immer ich mich einem jungen gegenüber oute, weiss ich nicht,
wie er reagieren wird. vielleicht sieht er in mir nur noch die alte schwuchtel,
über die man sich lächerlich machen kann. vielleicht erzählt
er es seinen freunden, und plötzlich ist man allgemein nur noch der
kinderschänder. das kann schnell gehen und ist von uns absolut nicht
verhinder- oder steuerbar. wer sein begehren eingesteht, begibt sich immer
in die position des schwächeren. es geht natürlich nicht vorrangig
ums messen, oft aber ist da versteckt ein kleiner anteil, und sei
er auch unausgesprochen.
5. die angst, vor dem älterwerden des jungen:
haben wir das glück, einen jungen freund gefunden zu haben, nagt
in uns schon die angst vor der zeit, da er älter wird, sich von uns
abwenden wird und uns in den meisten fällen auf die eine oder andere
weise verloren geht. die beziehung ist immer eine auf zeit, und bei uns
ist diese zeit oft schon zu beginn der freundschaft relativ klar auf wenige
jahre festzumachen. und manchmal ist es schon nur die angst vor dem nächsten
tag: kommt er morgen wieder? wer kann sich da schon wirklich sicher sein!
auch eine gerechtfertigte angst, aber erfreulicherweise wird sie meistens
duch das glück, das man erlebt, zugedeckt.
so viele ängste und ihrer sind sicher noch mehr; manche kommen und
gehen, manche sind immer im hintergrund vorhanden; aber angstfrei leben:
das scheint mir für einen boylover ein ding der unmöglichkeit.
jay_h
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